TR4 World

Die Geschichte von den lästigen Lasten für den Anhänger...

Während eines Campingurlaubs 2020 (zu der Zeit gerade der Tiefpunkt der Pandemie, in dem man schon wieder und noch wegfahren konnte) im gemieteten Wohnmobil stöberte ich im Internet und stieß auf Teardrop-Wohnanhänger. Diese Teardrops waren in den Anfangszeiten des Wohnwagen-Campings beliebt, da sie auch von den kleinen, recht schwach motorisierten Autos gezogen werden konnten. Ihren Namen haben diese Anhänger von der tropfen- oder tränenförmigen Form.

Einige schicke Exemplare habe ich gefunden, die die Formen des Zugfahrzeuges wieder aufgenommen haben. Das Wort Wohnanhänger ist vielleicht etwas übertrieben, da sie aufgrund Ihrer Größe eher nur zum Nächtigen gedacht sind. Immerhin haben sie im Allgemeinen eine kleine Küche, die üblicherweise durch eine Klappe im Heckbereich zugänglich ist. Man kocht also von außen. Damals kein Problem, heute eher unüblich und etwas spleenig. Das passt doch wunderbar zu einem englischen Oldtimer.

Irgendwie reifte der Entschluss, einen solchen Wohnanhänger zu bauen, der vom Stil her zum Triumph passt und die Seitenlinie und Heckpartie mit Kotflügeln und Schlussleuchten wieder aufgreift.

Vor dem Wohnwagenbau musste allerdings erst noch mal schnell eine Anhängerkupplung ans Auto. Und damit fingen die Probleme an und eines ergab das nächste:

Wer baut überhaupt Kupplungen?

Wenn man das Internet nach Kupplungen durchsucht, kommt man üblicherweise als erstes auf Westfalia und Rameder. Diese sind aber auf den Massenmarkt spezialisiert und haben für Oldtimer i.d.R. nichts, wie sich auf Nachfrage bestätigte. Also weitersuchen. letztendlich blieben zwei Hersteller übrig: Watling Engineers in UK und die Firma Beeken in Apen bei Oldenburg, die ihre Kunden über diverse Internetauftritte einfängt. Beide könnten auch Dokumente mitliefern, die der Kupplung(!) den TÜV Segen bescheinigen würden. Watling bräuchte dafür das Auto aber 2.5 Tage in der Nähe von London, Beeken etwa ebenso lange bei sich in der Werkstatt; ist aber auch nicht mal eben um die Ecke. Bei beiden wäre es eine Spezialanfertigung, die bei Watling zu moderatem Preis erfolgen würde, während bei Beeken nennenswert tiefer in die Tasche gegriffen wird.

Die Pandemie macht es hier allerdings sehr schwer, zu den Werkstätten zu kommen.

Kupplung eintragen lassen

Hier muss man zwischen dem Eintragen der Kupplung und dem Eintragen der Anhängelasten unterscheiden. Die Kupplung als Anbau bekommt man mit den nötigen Dokumenten zur Kupplung. Sie darf aber zum Betrieb nur benutzt werden, wenn auch gleichzeitig Anhänge- und Stützlasten im Fahrzeugschein eingetragen sind. Und genau hier sieht es wirklich schlecht aus. Es empfiehlt sich ein rechtzeitiger Blick in die Papiere, der bei den meisten TR4,5 und Derivaten wohl durch waagerechte Striche bei den Ziffern 13 (Stützlast) und O.1 und O.2 (Anhängelasten gebremst/ungebremst) dominiert sein dürfte.


Beeken nimmt den Auftrag auch erst an, die Anhängelasten eingetragen sind.


Die lästige Suche nach den Lasten

In Brief und Schein stehen keine Lasten, im allen Unterlagen vom Vor-Vorbesitzer, der den Wagen aus USA importiert hatte, lässt sich auch nichts finden. Werkstatthandbuch! Das ist ja ausnahmslos gut und ausführlich, führt aber keine Lasten an.

Anruf, emails bei TÜV und Co ergab uni sono: "Das steht im CoC oder sie brauchen eine Bescheinigung des Herstellers. Ansonsten können wir da nichts machen." Das führt aber bei einem Oldtimer von 1969, hergestellt von einer Firma, die wie soviele englische Autobauer diverse Höhen und Tiefen durchlebt und x-mal aufgekauft, zusammengeführt, wieder getrennt wurde leider nicht zum Ziel. Ein Anruf bei der Oldtimerabteilung des TÜVs brachte auch nur ein "Da haben wir leider auch nichts an Infos vorliegen und können da nichts machen". Also selber auf die Suche gehen...

Irgendwann bin ich auf ein Dokument gestoßen, in dem damals Anhängekupplungen u.a. für den TR4 als Zubehör aufgelistet wurden. Weitere Infos: Fehlanzeige.

Da die Rahmen von TR4A,5,250 und 6 ja sehr sehr ähnlich sind; insbesondere im Heckbereich, habe ich mal in ein TR6 Repair Operation Manual [1] geschaut und ...: Treffer. Dort sind Anhängelasten gebremst (1016kg) und ungebremst (200kg, wennn - siehe unten) angegeben (allerdings keine Stützlast). Dem TÜV reichte das allerdings nicht, da TR4A halt eben erstmal kein TR6 ist. Also habe ich mal eine Gegenüberstellung der Fahrzeuge mit Ihren Spezifika gemacht und die relevanten Gemeinsamkeiten zusammen getragen. "Ja, aber trotzdem Nein" hieß es immer noch von der Oldtimerabteilung des TÜV. Ein KFZ-Gutachter hat mich dann an einen TÜV-Prüfer in Wiesloch verwiesen, der ihm als überaus kompetent, hilfsbereit und gewissenhaft bekannt ist, und von dem ich wahrscheinlich nicht sofort abgewimmelt werden würde. Zumindest diesbezüglich schon mal ein kleiner Lichtblick.

Also mal beim deutschen TR Register im Forum probiert. Dort habe ich zwar diverse Hinweise auf Kupplungshersteller bekommen (die allesamt zu Beeken führen; s.o.), aber niemand konnte mit Anhängelasten oder gar einem Eintrag im Schein aufwarten.

Der British Heritage Trust konnte mir auch nicht helfen, und hat auch nur an Foren verwiesen.

Also habe ich als letzten Rettungsanker nochmal eine Anfrage ans britische TR Register gestellt. Von dort kam Interessensbekundung durch den britischen technischen Obmann und das Versprechen, sich drum zu kümmern, aber wochenlang keine Erfolgsmeldungen. Als ich kurz vor dem Verzweifeln war, dann eine email, dass man in einem TR6, TR5 und TR250 Repair Operation Manual [2] was gefunden hat. Dort stehen dverse Triumphs ab TR4 bis hin zu den letzten TR6 US-Modellen mit Ihren Gewichten drin und unter der Tabelle dann der Text, der schon im TR6 Manual stand:


TOWING INFORMATION
Maximum recommended trailer weight (M.R.T.W.) 20 cwt (1016 kg) when the trailer being towedis equipped with brakes. 3.94 cwt (200kg) when the trailer being towed is not equipped with brakes - providing that the total car and trailer laden weights do not exceed the maximum gross vehicle weight.

Das hatte ich so zwar auch schon im TR6 Workshop manual gefunden, aber diesmal standen auch TR4 und TR5 mit dabei. In einer nachfolgenden Tabelle sind dann auch die Maximal erreichbaren (Anfahr)Steigungen im 1. und 2. Gang für Zugfahrzeug und Zugfahrzeug MIT max. Anhängergewicht angegeben. Damit bestand also kein Zweifel mehr, dass sich der Satz oben eben nicht nur auf TR6 (und 250 und 5) bezieht, da diese im Handbuch Titel vorkommen, sondern für alle genannten Fahrzeuge.

Noch bevor ich mich darüber zu Ende gefreut hatte, kam noch eine email aus UK: Über einen ehemaligen Besitzer einer Triumph-Werkstatt ist eine großformatige Firmen-Zeitung "High Road" [3] von British Leyland Motor Corporation aufgetaucht, die es nur ein paar Jahre lang gab und in der Mai-Ausgabe von 1969 gibt es einen Artikel "A guide to towing-Rover and Triumph cars" auf S. 42.
Bingo! Dort sind Tabellen und eine gute Seite Text rund ums Ziehen von Anhängern für 25(!) Rover und Triumph-Modelle samt deren Anhängelasten. Diese Angaben stimmen exakt mit den immer im Workshop Manual gefundenen Angaben überein. Und zusätzlich wird im Text beschrieben, dass eine Stützlast von 5% der max. Anhängelast empfohlen wird.

Eintrag von Anhänge- und Stützlast in die Papiere

Näher und umfassender kommt man wahrscheinlich an Herstellerangaben nicht mehr heran. Das hat dann auch der wirklich sehr freundliche Herr vom TÜV in Wiesloch genauso gesehen und dann grünes Licht für den Eintrag gegeben, indem bezüglich der Anhänge- und Stützlasten ein Gutachten ausgestellt wurde, mit dem ich dann zur Zulassungsstelle wandern kann.


Damit ist die formal größte Hürde genommen, der Geldbeutel rund 90 EUR, mein Herz um einige Steine leichter!

Jetzt heißt es, die Probleme von hinten anzugehen und eines nach dem anderen aus dem Weg zu räumen: Pandemie-konformen Termin bei Beeken ausmachen, Kupplung anfertigen und abnehmen lassen und dann zur Zulassungsstelle für alle Einträge in den Fahzeugschein.

Und dann kann ich mir Gedanken über den Teardrop-Anhänger machen.


Referenzen  

[1] TR6 Repair Operation Manual, Second Edition, Publiction Part 545277/E2, Service Division, Triumph Motors British Leyland UK Limited, ISBN 1869826132
[2] Triumph TR6 TR250 TR5 Repair Operation Manual, Publication Part No. AKM 3646, Leyland Cars-Service, Allesley, Coventry
[3] "A guide to towing-Rover and Triumph cars" in: High Road, The car magazine of British Leyland Motor Corporation Limited, May 1969, p. 42ff, British Leyland Motor Corporation Limited, Coventry

Falls jemand für seinen Wagen die oben erwähnten Unterlagen zur AHK auch für seinen Michelotti benötigt, bitte bei mir melden (Kontakt s. Impressum)



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